Hier möchte ich dir mein persönliches Wissen zum Thema „Devotee sein“ zur Verfügung stellen, mit dem Ziel das Du lieber Leser, liebe Leserin am Ende hier, dir ein Bild darüber machen kannst was es bedeutet, wenn jemand über die sexuelle Präferenz für Menschen mit Behinderung spricht!
Hinweis: Das hier ist keine Wissenschaft, eher die Erkenntnisse die ich zu dem Thema im Laufe meines Lebens sammeln durfte!

Begriffe und Definitionen:

Es gibt einige offizielle Bezeichnungen die ich an dieser Stelle erwähnen möchte.

Devotee:

Aus Wiktionary: Devotee [1] der Verehrer, der Anhänger, Liebhaber, Verfechter

Die Schweizer Paraplegikergruppe schreibt: Ein sogenannter «Devotee» ist laut dem Cambridge-Wörterbuch «eine Person, die eine bestimmte Person zutiefst bewundert oder ein besonderes starkes Interesse an einer Sache hat». Ob Devotee eines Popstars, eines Sports oder eines Lebensstils – es gibt sie überall und oft werden sie als normal angesehen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Devotees, die als unmoralisch gelten, weil sie sexuelles Interesse an unkonventionellen Dingen oder Merkmalen wie Behinderungen und Rollstühlen zeigen. (https://community.paraplegie.ch/de/)

Mel sagt:
Ein Devotee, ist ein Mensch, der eine sexuelle Präferenz gegenüber Menschen mit einer Behinderung hat, man könnte auch sagen ein Verehrer oder einfacher jemand der drauf steht.
Devotees sind so unterschiedlich, dass alle Behinderungen mit dabei sein können, vom Rollifahrer, über den Sehbehinderten, zu den Gehbehinderungen. Es beschränkt sich aber auf körperliche Einschränkungen!

Amelotatismus:

aus Wikipedia: Amelotatismus (von griech. a „ohne“, melo „Glied“, tasis „Zuneigung“), auch Amputationsfetischismus genannt, ist eine sexuelle Präferenz für Menschen mit fehlenden Gliedmaßen. Sie ist eine Form des Deformationsfetischismus, der eine sexuelle Vorliebe für körperliche Verstümmelungen oder Missbildungen bezeichnet.[1]

Also der Amelo steht auf Menschen mit Amputationen, Ausprägungen und wo genau ist da auch sehr unterschiedlich und individuell geprägt…

Pretender:

Ein Pretender ist ein Mensch, der keine Behinderung hat, sich gerne aber in einen Rollstuhl setzt und so tut als ob er behindert wäre, Ausprägungen sind da vielfältig, einem Rollenspiel gleich.

BIID:

Body Integrity Identity Disorder (BIID, deutsch: Körperintegritäts-Identitätsstörung), synonym Body integrity dysphoria (BID) bezeichnet den krankhaften Wunsch, eine körperliche Behinderung zu erlangen, etwa Blindheit, Querschnittslähmung, oder Amputation eines Körperteils. Die seit den 2000er-Jahren zunehmend in der psychiatrischen Literatur beschriebene, gleichwohl sehr seltene Erkrankung wurde 2019 in die ICD-11 aufgenommen.[1] Auch neuropsychologischeethische und philosophische Betrachtungen wurden veröffentlicht.[2][3]

Die Erkrankung soll in der Kindheit oder Jugend beginnen. Betroffene fantasieren oder simulieren die entsprechende Behinderung. Nur in Einzelfällen kommt es tatsächlich zu mutilierenden Selbstverletzungen oder medizinisch nicht begründeten Operationen.

Die Sexuelle Präferenz für Menschen mit Behinderung!

Der Begriff Devotee

Ich glaube viele Menschen denken bei dem Begriff automatisch an Unterwerfung, an Hilflosigkeit und an BDSM als Gegenspieler zu Dominant… STOPP mal… Das hat gar nichts mit dem Devotee zu tun! Ein völlig anderes Wort! Vielleicht gibt es Devotees die eher unterwürfig sind und welche die dominant sind, aber unabhängig davon ob sie auf Menschen mit Behinderung stehen oder nicht!

Ich selbst finde den Begriff Devotee in der Tat auch eher unglücklich gewählt, aber es ist im allgemeinen Sprachgebrauch eben so vor definiert.

Was gäbe es für Alternativen?
Mancophillie etwa? Nein ehrlich das trifft es auch nicht. Ich versuche wann immer möglich von einer sexuellen Präferenz für Menschen mit Behinderung zu sprechen, wenn ich allgemein davon rede!

Aus meinem Leben…

Schon in meiner Kindheit gab es Momente die einem hätten ahnen lassen können, dass da etwas in mir steckt, was ich mittlerweile wie eine Verschiebung der Norm in meinem Gehirn bezeichnen würde… Für mich ist das gesellschaftliche „Perfekt“ nicht gut oder schön, für mich ist eben „Perfekt“ wenn da eine Behinderung mit dabei ist… Es ist die Perfektion des Unperfekten, die mich anzieht und fasziniert! Das Ungewöhnliche was nicht „Jeder“ hat.
Wie ein Topping was den Cupcake vom Muffin unterscheidet! Ich habe mir nichts mehr gewünscht, als diese Beziehung zu einem Rollifahrer.
Ich wollte gemeinsam dieses Abenteuer namens Lebens mit einem Rollifahrer erleben. Mit allem was dazugehört, allem was zusammen schöner ist als allein. Ich wollte mich streiten und versöhnen, ich wollte gemeinsam mit ihm in die selbe Richtung sehen, eine Familie gründen, lieben, leben, lachen, mit allem was es mit sich brachte, dieses Leben!

Partnersuche…

Ist es nicht so, dass wenn wir Menschen auf der Suche nach unserem Paarungspartner sind, wir alle eine Liste haben, auf der verschiedene Merkmale und Attribute drauf stehen?
Ok, manche dieser Kriterien sind sehr oberflächliche erstmal: Figur, Haarfarbe, Augenfarbe, Attraktivität, Brustumfang, die Liste könnte endlos lang werden. Auf meiner Stand eben auch Rollstuhlfahrer, an ziemlich erster Stelle sogar. Dafür waren die anderen Attraktivitätsmerkmale nicht entscheidend oder wichtig… Haarfarbe, Haut- und Augenfarbe ist mir völlig unwichtig, es geht eher um die Harmonie des Gesamtbildes als um diese Details.

Und dann stehen noch solche Dinge auf der Liste wie: Humor, Gemeinsamkeiten, Lebensphilosophie, Werte, Charakter, Lebensziel…
Ich war auf der Suche, auf der Suche nach meinem persönlichen Mr. Right, der hätte im Idealfall eine Behinderung gehabt…. JA… Als ein Merkmal von vielen die passen hätten müssen… Der, der auf die Blondine mit großen Brüsten steht wird sie vermutlich heiraten, sie wird sich freuen das ihr Mann sie attraktiv findet alles geht seinen Weg.

Auf einen behinderten Mann zu stehen ist weitaus komplizierter, wie mir mein Leben zeigte und mich lehrte… Es war ein steiniger Weg durch sehr viele Vorurteile, ich will gar nicht wissen wie oft ich mich beweisen musste um dann doch zu scheitern!

Für mich ist wenig im gleichem Maße attraktiv wie ein Rollstuhlfahrer! Ich würde es als weitaus mehr bezeichnen, als ein sexuelles Interesse, viel mehr eine Lebensausrichtung…

Diese Präferenz für Rollifahrer ist nicht nur etwas sexuelles, es ist viel mehr so etwas wie ein großes Geschenk, was sich durch mein Leben zieht!

Mel
Eingeschränkte Sexualität?

Im Austausch mit Rollifahrern hört man oft, dass eingeschränkte Sexualität bei einigen leider nicht nu rein Mythos ist. Viele haben entsprechend Berührungsängste und große Bedenken – verständlicherweise.
Für mich war das nie ein Problem ganz im Gegenteil, auch diese Herausforderung habe ich geliebt und hat es für mich immer zu etwas ganz besonderem gemacht, nachdem ich eher gesucht habe, als dass ich es ablehnte!

Es gab Momente in denen man kreativ sein musste um zum Ergebnis zu kommen, etwas was ich immer sehr geschätzt habe!

Barrieren im Alltag?

Yes, sie sind überall vorhanden und natürlich muss man auch als Partnerin eines Menschen mit Behinderung einiges einkalkulieren. Es hat nicht nur Vorteile als Begleitperson auf Konzerte zu gehen…
Da sind Treppen, auch die bei meinen Freunden, fehlende Toiletten, Familienfeiern, Urlaube, Ausflüge und die Barrieren werden irgendwie zu gemeinsamen Barrieren und Herausforderungen.

Manchmal hat es mich tatsächlich auch genervt, vor allem wenn das umgebaute Auto mal wieder schrottreif wochenlang irgendwo rumstand und ich dann auch noch „Taxidriver“ war! Aber es hätte mich niemals davon abgehalten eine Beziehung zu führen.
Ich denke es ist eher wie eine Symbiose, nicht eine Beziehung wo der eine schwächer ist als der andere!

WAs ich gerne vorher gewusst hätte:

Outing:

  • Was denken meine Freunde?
  • Was denken meine Eltern?
  • Was denkt der Rest der Familie?
  • Was denken meine Arbeitskollegen?
  • Was denkt das Dorf?

Alles Gedanken die ich mir früher auch gemacht habe. Ich habe mich für mein Empfinden geschämt und konnte mir lange Zeit gar nicht vorstellen, wie ich das wohl irgendwann in mein Leben einsortieren und einbinden sollte!
Heute nach mehreren Beziehungen zu Rollstuhlfahrern weiß ich, dass all diese Sorgen niemals so wurden, wie ich es mir ausgemalt hatte. Wenn ich erzählte, dass ich mir diesen Mann im Rollstuhl eben genau deswegen ausgesucht habe, hörte ich zwar immer dieses „Krass, das könnte ich nicht.“, aber verurteilt wurde ich von meinem Umfeld nicht. Meine ganze Familie stand hinter uns und hat immer nach barrierearmen Alternativen gesucht, wenn es ums feiern ging. Deswegen sei mutig und trau dich davon zu erzählen, Kündigung und Kopf ab ist nie passiert!

Ehrlichkeit

Ich dachte immer wenn ich einem Rollstuhlfahrer erzähle was mich wirklich anmacht und was wirklich diesen Reiz auslöst, würde ich ihn zerstören, da durfte ich aber soviel lernen… Wichtig ist immer das man ehrlich zueinander ist, je mehr und besser man Dinge beschreibt desto mehr kann man verstanden werden und umso besser kann der andere das einsortieren und damit umgehen. Seid ehrlich, ihr braucht kein falsches Profilbild oder sonst irgendwas… Empathie und Authentizität ist beim Kennenlernen immer das was einen am weitesten bringt…

Vorurteile, Grenzen, Schwierigkeiten!


Vorurteile
  • Fetischisierung von Behinderten
  • Helfersyndrom
  • Es geht nur um die Behinderung nicht um den Charakter des Menschen
  • Ein Devotee möchte nur die Hilflosigkeit ausnutzen!

Ganz oft sind das die ersten Reaktionen die man von Menschen bekommt, wenn man ihnen von seiner sexuellen Präferenz erzählt…

Warum das teilweise ein Irrglaube ist und nicht so sein muss, müssen wir hier unbedingt besprechen!

Fetischisierung bedeutet so etwas wie Menschen mit Behinderung zu sexuellen Objekten zu machen. Es mag vielleicht Devotees geben, die diese Fantasien haben, das kann man niemals ausschließen, aber in der Regel suchen sie nach viel mehr als nur das, nach einer Beziehung, nach dem Menschen der zu ihnen passt mit den Merkmalen und Dingen die für ihn wichtig sind! Klar ist das erstmal ein oberflächlicher Reiz, aber haben wir das nicht alle irgendwo?

Und zudem ist es ja nicht so, dass alle Menschen mit Behinderung keine Partnerschaft und keine Beziehung haben wollen, das ist durchaus ein verbreiteter Wunsch!

Die allermeisten die ich kennengelernt habe sind auf der Suche nach Mr. oder Mrs. Right, die eben das Merkmal Behinderung mit sich trägt, es geht dabei nicht um irgendwelche perfiden Sexspielchen sondern um eine Beziehung auf Augenhöhe! Es geht auch nicht darum, dass ein Teil der Beziehung hilfloser ist. Ich denke Menschen mit Behinderung sind nicht hilfloser oder anders als ich selbst!

Ein kleiner Ausflug in den gesellschaftlichen Kontext. Wir erinnern uns an Deutschland im Jahre 2024 ganz weit weg von Inklusion. Kaum einer kann sich eine Beziehung mit einem Menschen mit Behinderung vorstellen, viele glauben noch heute, dass eine Behinderung automatisch einer Kognitiven Einschränkung gleichzusetzten ist und dass man nicht zu körperlicher Liebe und Beziehung fähig ist… Natürlich ist es dann komisch, wenn einer gegen den Strom schwimmt und es anders macht, aber wer sagt uns denn hier was eigentlich normal ist?

Unsensible Nachrichten

Ja es gibt sie diese Devotees, die nur nach der Behinderung fragen, die alles abchecken, die unverschämt sind, von denen man das Gefühl hat es geht nur ums eine… Besonders wenn man eine Rollifahrerin ist…

Aber ich kann dir sagen es gibt sie auch, diese Rollifahrer die mir ungefragt einfach ein Nacktbild schicken oder diese Menschen mit Behinderung die einfach voraussetzen, dass ich gerne über Sexualität spreche und mit ihnen Dirty Talk mache!

Es ist frustrierend, es nervt, es erschreckt und es ist nicht zu entschuldigen!

Aber es sind MÄNNER Ladys, Männer unterwegs in der Anonymität des Internets! Ja eine Rollifahrerin wird vermutlich öfters von Devotees angeschrieben als von Männern, die sich nicht als solche definieren. Ich werde von Männern aus allen Bereichen angeschrieben, mir wurde sogar schon empfohlen einmal mit einem schwarzen Menschen zu schlafen, auf das diese Vorliebe für behinderte Menschen weg geht!

Aber da sind auch noch andere, diese Devotees, die man gerne kennenlernen möchte, die empathisch sind, viel über das Thema wissen, sich absolut auskennen, nichts böses wollen, sich meistens gar nicht trauen eine Frau mit Behinderung anzuschreiben.

Es gibt überall die guten und die schlechten, es liegt nicht unbedingt am Phänomen der Devotees…

Weißt du was das Beste ist?
Es wird dich keine Mühen kosten diese Spinner und Aufdringlichen herauszufiltern, einfach blocken, so mach ich es auch…

Fakes

Und dann sind sie noch da, diese Menschen die denken, wenn sie sich als etwas anderes ausgeben als das was sie sind, kommen sie schneller weiter… Da deckt sich dann der Devotee mit einem Rollimann Profil ein, im krassen Glauben, dass er so besser an Informationen und Kontakte kommt!

Auch dafür hab ich im übrigen absolut kein Verständnis, an alle Devotees die das hier lesen, am weitesten kommt man immer mit Ehrlichkeit! Ein Geheimnis das für alle Bereiche des Lebens einfach zählt!

Fakes gibt es teilweise getarnt als Mensch mit Behinderung, künstliche Intelligenz bricht auch die ein oder andere Grenze. Es ist ein Problem der Onlinewelt…

Manche Devotees haben auch sehr wenig Austausch, mit Menschen die eine Behinderung haben, es gibt eine sehr große Rollenspiel Szene, Empathie und Verständnis wächst allerdings nur aus echten Gesprächen, ich glaube manche können das dann auch irgendwann einfach nicht mehr unterscheiden.
Man muss die Geschichte des anderen hören, auch verstehen was es bedeutet und irgendwann in einer Partnerschaft erleben, was Barrieren wirklich bedeuten, bevor man wirklich eine Idee hat, was das alles bedeutet.
Viele Devotees, die es ernst meinen trauen sich allerdings gar nicht erst jemanden anzuschreiben, weil sie sich viel zu sehr für sich selbst schämen! Und weil all die anderen Tölpel schon denkbar schlechte und ungute Vorarbeit geleistet haben!

Aber ich hab auch eine gute Nachricht!
Es nützt nichts sich seinem Kopf zu zerbrechen ob es jetzt ein Fake ist oder nicht, spätestens in einem Videochat auf den man meiner Meinung nach immer zeitnah bestehen sollte, kommt alles raus! Seid unbesorgt, es ist noch kein Fake da gewesen was nicht irgendwann aufgeflogen ist…

Sowas wie ein Fazit

Die Onlinewelt birgt sicher, das ein oder andere Risiko, das sollte man nicht außer acht lassen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich das Gute vom Bösen relativ schnell unterscheidet. Wer wirklich etwas ernst meint, geht anders damit um als der für den es nur ein Spaß macht!
Ich sehe die Stärke in einer gemeinsam wachsenden Community auch darin, dass man ehrlich und ernsthaft miteinander umgeht und auch all jene rausfiltert, die es nicht so ganz ernst meinen oder Empathie absolut nicht kennen!

Ich glaube es ist ein unglaubliches Geschenk des Universums, Menschen mit Behinderung mit eben meinen Augen sehen zu können, auf Augenhöhe, im Gleichklang, nicht schlechter und nicht besser, das ist doch irgendwie die Grundvoraussetzung einer jeden Beziehung, auch Schönheit und Attraktivität gehört dazu!

Was allerdings immer sehr viel wichtiger und entscheidender ist, ist dass man charakterlich und von seiner Lebensausrichtung her zusammen passt…

Gemeinsam in die gleiche Richtung schaut!
Wenn das alles stimmt, glaub ich, dass so eine Beziehung eben doch sehr erfüllend und schön sein kann, auf Augenhöhe für beide Seiten!
Ich wünsche mir, dass mehr zugehört wird auf beiden Seiten, dass man nicht gleich mit einem Vorurteil um die Ecke kommt, sondern erstmal in Austausch geht, um zu erfahren was alles dahinter steckt!

Devotee sein ist bunt, es hat viele Seiten, es lässt sich nicht mal eben schnell erklären!

Schön das du da bist und bis dahin gelesen hast…

Die Mel